viernes, 6 de noviembre de 2009

Was bisher geschah... ;)

Ich weiss, ich habe mein Blog lange vernachlaessigt.
Um um Verstaendnis zu bitten, waere es sicherlich nicht schlecht meine Wochenverplanung zu erwaehnen.
Um moeglichst alle Moeglichkeiten zu nutzen und die Zeit hier bestmoeglich auszunutzen, habe ich von Anfang an damit verbracht jede freie Minute zu verplanen (Scherz)!

Ich arbeite ja taeglich bis um 7 Uhr abends, habe Dienstag und Donnerstag je zweieinhalb Stunden lang Spanischunterricht in der Uni, Mittwoch und Freitag von halb 8 bis um 9 Uhr Salsa Kurs und Samstag Morgen Gitarrenunterricht. Allerdings bin ich noch auf der Suche nach Gesangsunterricht, hatte allerdings aufgrund der Verplanung wenig Zeit dafuer.

Den Gitarrenunterricht bekommen Leona Benny und ich bei mir zu Hause von einem privaten Lehrer.
Den Salsa Kurs machen 7 von uns 10 Freilwilligen bei Frieder zu Hause.
Unser Salsa-Lehrer ist Kubaner und macht seinen Job sehr gut denke ich.
Freiders Gastschwestern machen auch bei dem Kurs mit und es ist jedes Mal sehr lustig wenn Marco yum Beispiel Muenzen werfen muss damit Benny und ich uns nicht um das Fuehren bei den Drehungen streiten, wenn Marias (sie wohnt neben Frieder) kleine Gastschwestern unsere Schuhe anziehen (wir tanzen barfuss und haben nachher schwarze fuesse) und in unserem Kreis herumtanzen oder der verrueckte Hund von Frieders Gastfamilie an unseren Fuessen klebt obwohl wir tanzen.

Ansonsten mache ich wirklich viel mit den anderen Freiwilligen. Wir 10 verstehen uns wirklich gut und sind eine recht homogene Gruppe wuerde ich es mal nennen.
Wir treffen uns mindestens jeden zweiten Tag. Wenn nicht nach dem Salsa, auf der Plaza von wo aus wir uns den schoensten Ort aussuchen um den anstrengenden spanisch-lastigen Tag ausklingen zu lassen.

Letztes Wochenende waren wir zu sechst in Samaipata.
Samaipata liegt 3 Stunden von Santa Cruz entfernt und mit dem Taxi haben wir 2.50 euro pro Person bezahlt.
Wir fuhren gegen halb 8 am Samstag los und kamen auf dem Hinweg an Wasserfaellen vorbei. Wir baten den Fahrer anzuhalten und er wartete dann eine Stunde auf uns bis wir uns in den absolut schoenen Wasserfaellen erfrischt hatten.
Die waren echt schoen und wir hatten einen grossen Wasserfall nur fuer uns weil wir so frueh waren.
In Samaipata suchten wir uns ein Hotel und fanden ein guenstiges direkt an der Plaza (Wenn ich von der Plaza spreche meine ich immer die Plaza Principal, also die Hauptplaza) die absolut schoen ist.

Im Hotel lernte ich ein brasilianisches Paerchen kennen, die fuer 5 Monate vom sueden Brasiliens ueber Bolivien in die brasilianischen amazonasgebiete reist weil es ueber Bolivien guenstiger ist.
Die beiden zeigten uns ein super Restaurant wo wir dann zu Mittag assen und luden uns auf ein Konzert am Abend ein da der Brasilianer wohl ein recht bekannter Gitarrist ist und ueberall Konzerte gibt.

Das Restaurant wurde zufaelligerweise von Oesterreichern betrieben und alles war aus eigenem Anbau-sehr lecker.
Nachmittags fuhren wir zu dem eigentlichen Grund unserer Reise – El Fuerte.
El Fuerte ist eine praeinkaische Felsenruine, zaehlt zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist 40 Hektar gross.
El Fuerte war wahrscheinlich mal ein Kultplatz aber eigentlich weiss das keiner so genau. Vielleicht war es eine Festung, vielleicht eine Anlage fuer einen Tempel des Schlangen- und Jaguarkultes und ist auf jedenfall ungefaehr 1500 Jahre alt.
Es ist der am weitesten oestlich gelegene Aussenposten der Inkas in Bolivien da sie dort auf die Guarani trafen von denen sie dann in einer Schlacht besiegt wurden.

Der riesige Stein deroben auf einem Berg auf den man gut hochlaufen kann liegt ist beeindruckend, jedoch war es bewoelkt und viele Details kann man nach 1500 jahren auch nicht mehr sehen als einige Kreise, Nischen und Rinnen in dem Stein, Aussenrum liegen die Grundsteine von ehemaligen Inkahauesern.

Was ich allerdings ziemlich schlecht finde, dafuer dass wir „gringos“ den doppelten Preis wie Einheimische bezahlen muessen ist, dass es kein einziges Schild zu Mutmassungen oder Erklaerungen zu den Ruinen oder dem Stein gibt. Also null Information.

Wir wanderten die 9 Kilometer nach Samaipata zurueck und verbrachten die Nacht mit Wein im Hotel weil es sintfluartig regnete.
Am naechsten Tag trafen wir auf dem Artesania Markt auf der Plaza zufaelligerweise eine deutsche Frewillige die einige von uns schon aus St. Cruz kannten und einen Freunde der durch Lateinamerika trampt und zeltet.
Mit den beiden verbrachten wir den Tag und assen Obst auf der Plaza.

Samaipata ist ausserdem ein beliebtes Reiseziel fuer viele Curcenos (Einwohner Santa Cruz`) und wir trafen durch Zufall auch den ein oder anderen bekannten „Artesanos“, also so genannte „Hippies“ die durchs Land reisen und mit Schmuck ihr Geld verdienen.

Dieses Wochenende dann fuhren wir Freiwilligen dann zu acht nach Cochabamba.
Cochabamba liegt 10 Stunden von Santa Cruz entfernt zwischen Santa Cruz und La Paz und wir fuhren Freitag Abend nach der Arbeit mit dem Bus los und kamen durch Verspaetung (man kann meistens mit 1 oder 2 Stunden rechnen) Morgends um 8 an.
Cochabamba hat angeblich das angenehmste Klima Boliviens aber da in Santa Cruz 40 Grad waren war es dort auch relativ heiss, aber nicht mit 90 Prozent Luftfeuchtigkeit wie hier also war es aushaltbar.

Waehrend die anden noch am Busbahnhof warteten gingen Benny und ich los um ein Hotel zu suchen.
Cochabamba ist insgesamt eindeutig aermer als Santa Cruz und durch Unwissenheit mieteten wir uns in den angeblich gefaehrlichsten Stadtteil der Stadt ein, allerdings in ein Hotel fuer 3 Euro die Nacht, das wirklich sauber und gut aussah, im gegensatz zu einigen 1,50 euro absteigen in denen wir das Bad eher ungern benutzt haetten.
Allerdings waren wir eh immer in unserer 8-mann bzw Frau-Gruppe unterwegs und liefen deshalb weniger Gefahr ueberfallen zu werden.

Mittags fuhren wir in ein Pueblo, also einen Vorort Cochabambas, der Quillakollo heisst.
Dort gibt es einen ziemlich einheimischen Markt den mir meine Gastfamilie empfohlen hatte wo man fuer nur einen Euro ein riesiges typisches Mittagessen mit Erdnusssuppe und „vergoldetem“ Haehnchen essen kann. Das haben wir natuerlich genutzt – am ende des leckeren Essens viel mir auf dass das Ambiente dieses Essplatzes(ich wuerde es eher nicht Restaurant nennen weil es wirklich keins war) einem alten Badezimmer glich, aber das fiel bei gutem Essen und bei Hunger keinem so wirklich auf.
Gegenueber von diesem Mercado ging es gleich in den naechsten Markt ueber auf dem am Samstag aufgrund des „Dia de los muertos“ (also Tag der Toten) der dann vorgestern am Montag war, Essen fuer diesen Anlass verkauft.
Die Bolivianer gehen am dia de los muertos auf den Friedhof und opfern ihren verstorbenen Familienmitgliedern Brote die sie backen, Teigbackwaren mit gesichtern und suessigkeiten, zuenden kerzen an und feiern und essen auf dem Friedhof.
Das konnten wir dann am Montag im Vornbeifahren auf mehreren Freidhoefen im Land sehen.

Als wir aus Quillikollo zurueckkamen gingen wir auf den Prado, eine grosse Hauptstrase mit vielen Bars, Restaurants und Discos, mussten allerdings um 12 wieder im Hotel sein, da es zumachte aus Angst vor Ueberfaellen.

Sonntag Morgen ueberedete Frieder uns alle zu traditionellem Cochabambinischem Fruehstueck das jedoch keinem so wirklich mundete.
Vieles des traditionellen bolivianischen Essen ist nun einfach wie es auch vielen Schildern zu lesen steht 100% Fett.
Es war ein heisses undefinierbares lila und gelbes Getraenk, dickfluessig und auch undefinierbar im Geschmack und eine Kaese-Empanada die totfrittiert wurde. Ich hatte das Gefuehl diese Mahlzeit am fruehen Morgen ist fuer Menschen die bis zum naechsten Morgen nichts ausser Kokablaettern essen (bzw kauen, man isst sie ja nicht) – aber wie immer in Bolivien stand eine stattliche Frau an der Strassenecke und verkaufte Melonenscheiben und frischgepressten O-Saft – damit war bis jetzt noch jede missglueckte oder fehlende Mahlzeit zu ersetzen.

Mit dem Bus gings zum Fusse des Berges auf dem die angeblich groesste Christusstatue Lateinamerikas (oder der welt??) steht – ich glaube aber rein aus Vorurteilen nicht daran dass sie groesser oder schoener sein soll als die in Rio.

In praller Mittagshitze ging es 1500 steile Stufen zum Christo hoch und wieder runter.
Anschliessend fuhren wir zu einer Lagune bei der wir leckeren Fisch assen – auch das wurde mir von meinem Gastvater der Fisch sehr liebt waermstens empfohlen.

Anschliessend gingen wir zurueck zur Plaza Cochabambas wo wir zufaelligerweise einen deutschen Freiwilligen aus La Paz trafen mit dem einige von uns eingereist waren.
Mit ihm gings auf die Cancha – angeblich der groesste Strassenmarkt Lateinamerikas allerdings fuer Benny und mich nichts besonderes, da wir uns ja taeglich mit dem Ramadas Santa Cruz´ auseinandersetzen muessen – ich hab ja schon mal drueber geschrieben.

Dort kauften wir unse Abendessen was ausnahmsweisemal nicht typisch fettig zuckerig war sondenr rein aus Obst und Wein bestand. Damit machten wir es uns auf der Plaza bequem und belustigten so manchen Cochabambinischen Einwohner, Pferdeherumfuehrer und Obdachlosen.

Am Montag (unserem ersten Feiertag) ging es in einer spontanen Aktion mit einem Bus nach Villa Tunari in einer Gegend namens Chapáre.
Aus dieser Ecke kommt wohl Evo Morales und es ist wohl das Koka-Anbaugebiet nummer eins, weswegen ich seit Montag auch af der Arbeit von meinem Mentor verlacht werde der immer meint ich konsumiere Koka, nur weil ich es in la Paz und hier einmal probiert habe.

Die vierstuendige Busfahrt dorthin war sehr aufregend.
Aehnlich wie die Fahrt von La Paz nach Santa Cruz ging es erst von kahlen seicht huegeligem Land in der Hoehe ins Tiefland mit tropischen Regenwaeldern und vernebelten Schluchten (genauso wie man es sich vorstellt ist es wirklich!) aus denen die seltsamsten papagaien und Froschgeraeusche hervorkommen.

Im Bus wurde das Klima von angenehm warm zu uebertrieben feucht-heiss.
Wir hatten uns zwar die letzten 8 Plaetze im Bus erkauft (nachdem wir wie immer den gringo-Preis herunterhandeln mussten – wir wuerden als unwissende Touristen gnadenlos abgezockt werden-aber wir sind ja schon fast Profis), allerdings hielt der Bus nach der Abfahrt noch mal und lud noch etwa 10 Menschen, darunter einige Kinder, Babys und ein Hundewelpe samt Sack Reis ein, was die Busfahrt dann endgueltig anstrengend machte.

4 Stunden lang stand neben mir eine Frau, ihr Baby lag auf einem Tuch am Boden und ihre drei anderen Kinder sassen bzw spielten daneben im Gang mit dem Welpen der gnadenlos an Beinen und Halsband herumgezerrt wurde,
Nachdem die Kinder nach ein paar Stunden gemerkt hatten dass ich auch nur ein ganz normaler Mitfahrer war krallten sie sich zweitweise mit ihren Avocado-Empanada-Hundewelpen-Fingern an mir fest wenn der Bus auf der Schotterstrasse neben dem Tropenwaldabhang mal wieder scharf bremsen musste weil ein LKW entgegen kam und gegen Ende der Fahrt schlug die Mutter ihnen vor jedes Mal laut „Casa“ zu schreien wenn eine Bretterhuette im Wald an uns Vorbeifuhr damit den Kindern nicht langweilig wurde.
Als mein schwerer Rucksack dann vor lauter Schlagloch-Bus-Gewackel fast auf das Baby gefallen waere wenn nicht die stehende Mutter ihn vorher aufgefangen haette, waere ich ganz gerne kurz ausgestiegen um meine durchgeschwitzen Klamotten kurz auszuwringen.

So lernt man als Europaer wahrscheinlich Geduld, ausserdem kann man sich bei uns glaube ich mittlerweile nie ueber Unbequemlichkeiten beschweren wenn man mal hier gereist ist, da es einfach Menschen gibt die in einer 10 Stunden Fahrt auf dem Gang sitzen oder stehen – ich frage mich jedes Mal ob sie etwas fuer die Fahrt bezahlen mussten weil das sonst ohne Ende unfair waere.

Angekommen in Villa Tunari hatten wir eigentlich nur Pech.
Der Nationalpark in dem es ein schoenes Freiwilligenprojekt mit wilden Tieren gibt war zu wegen dem Feiertag. Genau wie die Touristeninformation in der man Touren durch den Regenwald organisieren kann, die Restaurants hatten kein Essen, um zur Plaza zu laufen waren wir zu fertig, wir erfuhren dass es keine offizielen Busse oder Taxis zurueck nach Santa Cruz gab und die einzige Abkuehlung – der Fluss – war zu gefaehrlich zum baden.

Wir fanden trotzdem essbares, duschten uns kurz unter einem Wasserfall und machten uns dann auf dem 6 stuendigen Rueckweg.

Das ist eines unserer Probleme hier. Wir vetrauen noch haeufig den Aussagen der Bolivisner ohne sie zu hinterfragen.
Wenn man einen Bolivianer etwas fragt, egal worum es geht, gibt dieser anscheinend lieber eine falsche Information als gar keine.
Das soll keine boese Unterstellung sein, aber jedes Mal wenn wir auch nur leicht das Gefuehl hatten dass die gefragte Person nicht ganz viel Ahnung hatte und trotzdem dem Hinweis gefolgt sind, stellte sich die Information als voellig falsch oder beschoenigt heraus.

Wir hatte n naemlich extra in Cochabamba nach Rueckfahrgelegenheiten und Oeffnungszeiten weem dem Feiertag gefragt und nur positive Antworten erhalten – die Wahrheit sah anders aus und man kann wirklich (wirklich) sagen, dass Villa Tunari in der absoluten Pampa liegt.

Aussenrum nur tropisch schwuehler Regenwald, ab und zu kleine zertretene Vogelspinnen, bestimmt tolle Tier und Pflanzenwelt die man aber denke ich alleine lieber nicht kennenlernen sollte (sogar in Santa Cruz begruesste mich letztens vor meiner eigenen Haustuer eine mittelgrosse verletzte Vogelspinne und man kann wirklich nicht sagen dass es hier viel Natur gibt) und die Kokaplantagen die mir von meiner Gastfamilie zur Besichtigung empfohlen wurden lagen dann doch relativ weit ausserhalb und wie bekamen sie nicht einmal zu Gesicht.

Aber ich denke schon allein wegen dem Naturschutzgebiet und der Naehe zu Santa Cruz werde ich Villa Tunari dieses Jar noch mal besuchen und es war auch mal eine Erfahrung an einem solchen Ort abgesetzt zu werden.
Und wie gesagt ich denke ich werde mich in Deutschland nie wieder ueber anstrengende Busfahrten beschweren